Im Mittelalter befand sich eine Burg auf dem Grund von Gut Hügle. Das Flurstück „Burgholz“ mit seinem deutlich sichtbaren Burggraben erinnert noch heute daran. Der Gutshof gehörte damals vermutlich zum Kloster Weissenau. 1609 bezog der Weissenauer Abt zum Bau einer Mauer in Klosternähe Steine aus den Ruinen der Burg. Auf die damalige Burg und deren Zugehörigkeit zum Kloster deuten auch die Reste eines Rittergrabes hin, das 1728 im Fundament der Gornhofener Kirchenmauer entdeckt wurde. Die Burg im Wappen der Familie Hügle war ein Symbol der regionalen Standesherren und Obrigkeit.
Ältestes Zeugnis der Familie Hügle ist das alte Bauernhaus auf dem Gut. Das freistehende Wohnhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von der ersten Generation Hügle auf dem Hof erbaut. Das Bauernhaus steht seit Anfang der achtziger Jahre unter Denkmalsschutz. Viele typische Merkmale eines Bauernhauses der Bodenseegegend aus dem 17. Jahrhundert sind in dem Gebäude vereint: das massive Erdgeschoss, eine aufwendige Fachwerkkonstruktion mit schlichten dekorativen Elementen, die Grundrisserweiterung durch den Treppenflur und das original erhaltene Satteldach.
Die größte Erweiterung des Hofes nahm der Großvater des jetzigen Betreibers im Jahr 1937 mit dem Bau des Stadels (Scheune) vor. Das für die damalige Zeit in seiner Größe und Fachwerkausführung bemerkenswerte Bauvorhaben diente der Erweiterung der Nutztierhaltung. Hermann Hügle sen., der den Betrieb von 1929-1969 leitete, erwarb sich außerdem durch seinen hochwertigen Kirschen-, Apfel- und Hopfenanbau große regionale Bekanntheit. Er züchtete und kultivierte die Sorte „Hügle Kirsche“. Die mit dieser Sorte veredelten Sämlinge waren in der Umgebung damals weit verbreitet, wurden jedoch auf Gut Hügle bis zu einer besonders edlen Reife weiter gezüchtet.
Von 1969-2003 wurde der Betrieb von Hermann Hügle jun., Landwirtschaftsmeister, geführt. Die betrieblichen Schwerpunkte verlagerten sich hin zur Milchwirtschaft, zum Kernobstanbau und zur Schnapsbrennerei. Von weithin sichtbar erstreckten sich nun ausgedehnte Kirschplantagen rund um den Hof. Mit der Errichtung des neuen Gutshauses 1994 entstand darüber hinaus die erste Ferienwohnung. Ferien auf dem Bauernhof, und die besonders gepflegte, liebevolle Gastfreundschaft gegenüber den Feriengästen gehören seitdem zum festen Bestandteil des täglichen Lebens der Familie Hügle.
Mit der Betriebsübernahme im Jahr 2004 hat Wolfgang Hügle den touristischen Betriebszweig „Ferienwohnungen“ weiter ausgebaut: In dem Stadel des Großvaters – mit seiner exponierten Hanglage und dem großartigen Panoramablick – hat der älteste Sohn Hermann Hügles in den Jahren 2004/2005 weitere Ferienwohnungen errichtet und das Gut zum Erlebnisbauernhof weiterentwickelt. Parallel dazu hat Wolfgang Hügle den landwirtschaftlichen Betrieb in Richtung Premium-Kirschenanbau spezialisiert. Die Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Produkte, insbesondere der berühmten Kirschen, spielt heute neben dem Ferienbetrieb eine herausragende Rolle in dem traditionsreichen Familienbetrieb.
Der Name Hügle ist seit dem 17. Jahrhundert untrennbar mit dem Hof verbunden. Heute wird der Betrieb in der zehnten Familiengeneration bewirtschaftet. Wolfgang Hügle ist gelernter Obstbauer und promovierter Ökonom. Vor der Betriebsübernahme sammelte er internationale Erfahrung im Bereich der Agrarfinanzierung und Entwicklungszusammenarbeit. Seine Frau Susanne Hügle stammt aus dem Münsterland und arbeitete als Unternehmensberaterin. Die gemeinsame Tochter Ana kam 2005 zur Welt, Paul ist zwei Jahre jünger. Die Familie und der Betrieb bilden damals wie heute eine unzertrennliche Einheit. Dies ist wohl einer der Gründe, warum Gut Hügle heute noch in Familienbesitz ist und man hier selbstbewusst und zuversichtlich in die Zukunft schaut.